Hanna Somatic Education (HSE) – auch als Hanna Somatics oder Clinical Somatics bekannt – ist ein körperorientierter Ansatz, bei dem du durch bewusste Bewegung lernst, deinen Körper besser wahrzunehmen und deine Bewegungsmuster zu verändern.
Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem, Muskulatur und Bewegung. Denn wie wir uns bewegen, ist nicht nur eine Frage der Muskeln. Unser Nervensystem lernt Bewegungs- und Spannungsmuster – und kann diese auch wieder verändern.
Durch langsame, bewusste und aktive Bewegungen entwickelst du ein genaueres Gespür für deine Muskulatur und dafür, wie du dich bewegst. Dadurch kann es möglich werden, gewohnte Spannungen besser wahrzunehmen, loszulassen und neue Bewegungsmöglichkeiten zu entdecken.
Ein wichtiger Begriff dabei ist Sensory Motor Amnesia (SMA). Damit wird beschrieben, dass wir bestimmte Spannungs- und Bewegungsmuster so sehr verinnerlichen können, dass sie uns irgendwann kaum noch bewusst sind. Das kann zum Beispiel nach Verletzungen, Operationen, wiederholten Belastungen, einseitigen Bewegungsgewohnheiten oder anhaltendem Stress geschehen.
Solche Muster können sich unter anderem in Verspannungen, Schmerzen, Steifheit oder eingeschränkter Beweglichkeit zeigen. Auch Haltung, Atmung, Koordination und das allgemeine Körpergefühl können davon beeinflusst werden.
HSE kann eine Möglichkeit sein, solche Gewohnheiten bewusster wahrzunehmen und Schritt für Schritt neue Bewegungsmöglichkeiten zu erlernen. Ziel ist nicht, den Körper zu „reparieren“, sondern die eigene Wahrnehmung und Bewegungskompetenz zu erweitern.
Letztlich geht es darum, den eigenen Körper wieder besser zu spüren und sich darin freier, leichter und sicherer zu bewegen.
HSE richtet den Blick nicht ausschließlich auf den Bereich, der gerade Beschwerden macht. Stattdessen betrachten wir, wie verschiedene Körperbereiche miteinander verbunden sind und wie sich unsere Bewegungsgewohnheiten durch den ganzen Körper auswirken können.
Bei HSE geht es nicht darum, dass jemand etwas mit deinem Körper „macht“. Du selbst bewegst, spürst und lernst. Dadurch entwickelst du ein besseres Verständnis für deine eigenen Muster und kannst neue Möglichkeiten aktiv erfahren.
HSE versteht Bewegung als einen Lernprozess. Ähnlich wie wir neue Bewegungsabläufe erlernen können, kann unser Nervensystem auch neue Wege finden, mit Spannung und Bewegung umzugehen.
Eine zentrale Methode der Hanna Somatic Education ist die Pandiculation.
Dabei wird eine Bewegung zunächst bewusst und aktiv ausgeführt und anschließend langsam wieder gelöst. Durch dieses bewusste Anspannen und Loslassen bekommt das Nervensystem die Möglichkeit, die Muskulatur wieder genauer wahrzunehmen und ihre Spannung besser zu regulieren.
Die Bewegungen bleiben dabei sanft und werden so ausgeführt, dass du jederzeit wahrnehmen kannst, was in deinem Körper passiert.
Es geht nicht darum, stärker zu dehnen, sondern darum, besser zu spüren und neu zu lernen.