Pandiculation ist ein zentraler Bestandteil der Hanna Somatic Education. Sie wurde von Thomas Hanna entwickelt und beschreibt eine aktive Form der Bewegung, bei der es darum geht, gewohnte Muskelspannung bewusster wahrzunehmen und wieder loszulassen.
Vielleicht hast du schon einmal eine Katze beobachtet, die sich nach dem Aufwachen ausgiebig streckt. Was dabei passiert, ähnelt der Pandiculation. Die Katze aktiviert ihre Muskulatur, baut sanft Spannung auf und lässt sie anschließend langsam wieder los. So kann sich die Muskulatur wieder entspannen und neu organisieren.
Ähnlich ist es beim Gähnen und Strecken nach dem Aufwachen. Vielleicht spannst du dabei ganz automatisch deine Arme, deinen Rücken oder deine Beine an und lässt die Spannung anschließend langsam wieder los. Es fühlt sich natürlich an und geschieht meist ganz ohne Anstrengung.
Bei der Pandiculation wird ein Muskel zunächst bewusst und kontrolliert angespannt. Anschließend wird die Spannung langsam und bewusst wieder reduziert, bis der Muskel vollständig loslassen kann. Dabei geht es nicht darum, möglichst weit zu dehnen oder an eine Grenze zu gehen. Die Bewegung soll angenehm, leicht und gut kontrollierbar bleiben.
In der Somatics gilt dabei das Prinzip „Weniger ist mehr“. Das kann zunächst ungewohnt sein – besonders wenn du bisher nach dem Prinzip „No pain, no gain“ trainiert hast. Bei der Pandiculation geht es nicht darum, etwas zu erzwingen. Du bewegst dich selbst, beobachtest deine Empfindungen und erforschst, wie sich Spannung und Entspannung verändern.
Durch die langsame und bewusste Bewegung erhält dein Gehirn neue Informationen darüber, wie sich deine Muskulatur anfühlt und wie sie sich bewegt. So können gewohnte Spannungs- und Bewegungsmuster bewusster wahrgenommen und nach und nach verändert werden.
Mit regelmäßiger Praxis kann es leichter werden, unnötige Spannung loszulassen und die eigene Bewegung bewusster zu steuern. Dadurch können mehr Leichtigkeit, Bewegungsfreiheit und Flexibilität entstehen.
Pandiculation bedeutet nicht, den Körper weiter zu dehnen. Es geht darum, Bewegung und Entspannung bewusster wahrzunehmen und neu zu lernen.