Stretching gilt seit Langem als gutes Mittel gegen verspannte oder schmerzende Muskeln – etwa vor oder nach dem Sport oder bei Rückenschmerzen. Für Tänzer:innen, Sportler:innen und viele Menschen, die sich regelmäßig bewegen, gehört Dehnen ganz selbstverständlich zum Training.
Doch wie viel bringt statisches Dehnen tatsächlich? Forschungsergebnisse zeigen, dass der Nutzen offenbar geringer ist, als lange angenommen – insbesondere wenn es darum geht, Verletzungen vorzubeugen oder die Muskulatur dauerhaft zu verlängern.
Unsere Bewegungen werden vom Gehirn und Nervensystem gesteuert. Bei jeder Bewegung nehmen wir über unseren Körper ständig neue Informationen auf. Das Gehirn verarbeitet diese Informationen und passt unsere Muskelaktivität entsprechend an. Durch Wiederholung und Erfahrung werden Bewegungen immer vertrauter und sicherer.
Auch Muskelspannung kann sich auf diese Weise zu einer Gewohnheit entwickeln. Nach einer Verletzung oder Operation, bei emotionalem Stress oder durch wiederholte und einseitige Bewegungen kann der Körper bestimmte Muskeln immer wieder anspannen. Mit der Zeit kann diese Spannung bestehen bleiben, selbst wenn der ursprüngliche Auslöser längst vorbei ist.
Hier setzt Hanna Somatic Education an. Es geht nicht nur darum, einen angespannten Muskel zu dehnen, sondern darum, die eigene Wahrnehmung und Kontrolle über die Bewegung wieder zu verfeinern. Eine zentrale Methode dafür ist Pandiculation.
Anders als beim passiven Dehnen spannst du den betreffenden Muskel bei der Pandiculation zunächst selbst bewusst an. Danach lässt du die Spannung langsam und kontrolliert wieder los. Am Ende steht eine vollständige Entspannung.
Dieser aktive Prozess gibt dem Gehirn neue Informationen darüber, wie sich die Muskulatur anspannt und wieder entspannt. Dadurch kann es leichter werden, gewohnte Spannungsmuster wahrzunehmen und die eigene Bewegung bewusster zu steuern.
Beim statischen Dehnen wird ein Muskel dagegen passiv in eine längere Position gebracht. Für manche Menschen kann sich das unangenehm anfühlen oder sogar dazu führen, dass die Muskulatur automatisch wieder stärker anspannt.
Pandiculation funktioniert anders: Du bewegst dich selbst, bleibst aufmerksam bei deinen Empfindungen und erforschst, wie du Spannung bewusst aufbauen und wieder loslassen kannst.
Wenn du das nächste Mal eine verspannte Stelle bemerkst, kannst du Folgendes ausprobieren:
Spanne den betreffenden Muskel ganz sanft an – nur so weit, wie es sich angenehm und gut kontrollierbar anfühlt.
Lass die Spannung anschließend langsam wieder los und spüre, wie der Muskel dabei nachgibt und sich entspannt – ähnlich wie beim Gähnen oder beim Strecken nach dem Aufwachen.
Lass danach vollständig los und gönne dir einen Moment der Ruhe.
Spüre anschließend nach: Hat sich etwas an deiner Wahrnehmung, deiner Beweglichkeit oder der Art, wie du die Bewegung steuerst, verändert?
Bei Hanna Somatic Education lernst du, deine Muskulatur bewusster wahrzunehmen und deine Bewegungen selbst zu steuern. Es geht nicht darum, dass jemand anderes deinen Körper „lockert“ oder etwas für dich verändert.
Du machst die Bewegung selbst. Du nimmst selbst wahr. Und du lernst, deine Bewegung selbst zu verändern.